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Montag, 15. September 2008

Schuldig

Noch zu "Fernglas". Ist mir auch nichts eingefallen, abgesehen von den ersten 4 Strophen. Das danach hab ich noch schnell dazu gedichtet, weil ich es nicht unbeendet lassen wollte, demnach gefallen mir die letzten 4 Strophen auch nicht. Bedankt euch bei Teresa, die mich dazu überredete, es online zu stellen.

Schuldig

Kannst du sehen, was du willst?
Kannst du haben, was du siehst?
Vergisst du so dein Leben,
Wenn du in das Ihre fliehst?

In unendliche Fernen kannst du sehen
Ausmachen, erkennen, doch nicht gehen
Das Schuldgefühl bleibt bestehen

Kannst du leben, was du siehst?
Kannst du sehen, wie du lebst?
Macht es dein eigenes besser,
Wenn du nach ihrem Leben strebst?

Du siehst ihr Glück und du siehst auch ihr Flehen
Erspähen, blicken, wirst nie vor ihr stehen
Das Schuldgefühl bleibt bestehen

Kannst du ändern, was du siehst?
Kannst du sehen, was sich tut?
Du kannst sie doch mal ansprechen,
Bräuchtest nur ein klein bisschen Mut

Hab’ dich schon seit Tagen im Visier
Fragt sich nur, was ich dabei riskier’
Etwa dass alles zu Grunde geht?
Dafür ist es jetzt schon viel zu spät

Fässt du meine Tochter auch nur einmal an
Wirst du erfahren, was Schmerz wirklich sein kann
Hör endlich auf sie anzustarren
Lass den Schleier doch endlich fallen

Du hast nichts getan
Wirst nicht ins Gefängnis gehen
Du hast nichts getan
Kannst mich einfach nicht verstehen
Du hast nichts getan
Du hast mir nichts zu gestehen
Du hast nichts getan
Du hast sie nur angesehen
Du hast doch nicht getan!
Das Schuldgefühl bleibt bestehen

Donnerstag, 11. September 2008

Blick ins Nichts

Ich sitz am Fenster, schau hinaus
Mein Blick fällt auf das Nachbarhaus
Dort steht die Tochter, wunderschön
Bezaubernd ist sie anzusehn

Ich schau etwas genauer hin
'Ne Träne tropft von ihrem Kinn
Ich frag' mich, was mit ihr nicht stimmt
Als sie verträumt das Messer nimmt

Sie zieht es sich den Arm hinauf
Die Schmerzen nimmt sie still in Kauf

Am Fenster dann erspähe ich
Die Mutter, wie sie ringt mit sich
Augen schließen oder nicht?
Verzweiflung spiegelt ihr Gesicht

Der Vater stürmt herein und schreit
Mein Gott, warum ist es so weit
Zu dir ins heile Himmelreich?

Und seine Frau wird plötzlich bleich

Sie blickt zum Himmel auf und zischt
Dein Gott da oben ist Sadist!

Ich schau zu Gott hinauf und dann
Seh' ich ihr ins Gesicht
Es sehn mich leere Augen an
Dann löscht sie still das Licht

Mittwoch, 10. September 2008

Forschergeist

Durch lange Gläser blickst du stumm
Hinaus in weite Welt.
Du siehst sehr viel, was dir gefällt
Und schaust dich staunend um.

Ein Vogel hier, ein Bäumlein da,
Aus Frühling wird bald Herbst
Du fragst: Wer wohl die Blätter färbt?
Es wirkt so sonderbar.

Nach vielen Herbsten, die vergingen,
Wirkt manches langweilig.
Doch das, was dir damals heilig,
Willst du für dich erringen.

Anstatt auf Tiere, wie gewohnt,
Lenkst du nun deinen Blick
Zum Fenster nebenan, wo schick
Die Nachbarin drin wohnt.

Es bleibt doch immer, wie es ist:
Die Pubertät schlägt zu,
Und wandelt manchen braven Bub
In einen Voyeurist.

Dienstag, 9. September 2008

Wirrungen und Kirrungen

Entschlossen stiere ich durchs Glas,
sehe jedoch nichts als Gras.
Das Gewehr ist schon gespannt
so wie ich, seit Stunden schon,
doch das Tier, das straft mich Hohn,
nur hats meine Geduld verkannt.

Und plötzlich, als ich weiter schau,
läuft sie ins Bild, die wilde Sau.
Langsam jetzt, den Druckpunkt finden.
Dann der Knall; ich seh sie fallen,
all die Äst, die um sie wallen,
und die Sau im Wald verschwinden.

Ich geh jetzt heim mit meinem Frust,
auch heut nur TK-Putenbrust.

;-)