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Freitag, 29. Mai 2009

Außenseiter

Du folterst und du quälst uns und du hörst einfach nicht auf
Du suchst dir alte Opfer, immer weiter, immer drauf
Immer schneller, immer lauter, immer lüsterner die Gier
Du musst sie schnell befriedigen, sie weckt in dir das Tier.

Die Klingen dreh'n sich schneller, und so hältst du es im Zaum
Das Opfer, das du auserkor'n - Es wehrt sich leider kaum
Sein zaghafter Versuch zu reden stumm, ein böser Traum
Deine Macht, sie treibt dich an, treibt vor die Zähne Schaum.

Wenn du vor deinen Opfern stehst, sie fesselst und missbrauchst
In ihre Ohren schale, faule Sprüche schmierig hauchst
Wenn keine Widerworte mehr aus müden Augen fleh'n
Dann ahnst du nicht, was sie noch tun, lässt du sie endlich geh'n:

Sie schreien und sie fluchen und sie rufen deinen Tod
Sie spucken deinen Namen aus, als wär's verfaultes Brot
Ihr Widerstand, stets ungebrochen, flammt in ihnen auf
Und dennoch nehmen sie die Qualen bald wieder in Kauf.


(Wer das Gedicht bis hierhin toll fand, sollte die letzte Strophe nicht lesen.)


Beim nächsten Meeting bist du wieder mit von der Partie
Und redest und du redest und zu Wort komm' wir dann nie.
Wenn Dummheit weh tut, dann nicht dir, das könnte ich auch schwör'n
Es lässt nur uns're Ohren schrei'n, denn sie müssen dich hör'n.

Montag, 11. Mai 2009

Wahlversprechen

Mit außergewöhnlichen Worten bedacht
Versicherst du sicheres Krisengeleit
Egal ob am Tag, ob in finsterer Nacht
Du schwörst, du bist nun für die Pflichten bereit.

So selbstsicher hebst du bewusst deine Hand
Und sprichst dieses Wort, das schon tief in dir brennt
Ich frage mich, führst du auch mich in das Land
Das keiner von uns noch beim Namen benennt?

Woher soll ich wissen, wie ehrlich du bist
Woher soll ich wissen, wie wahr du nun sprichst
In deinem gebügelten Anzug vor mir?
Bevor diese Frage mich ablenken lässt
Ergreifst du voll Zärtlichkeit meine Hand fest
Versprichst mit dem Ring mir die Liebe von dir.

Donnerstag, 30. April 2009

Umarmung

Von dir merk' ich am Tage nichts
Kein Bild, das aus dem Traume bleibt
Kein Herzschlag, der die Seele sticht
Kein Reim von dir in dem Gedicht
Das mir mein Leben stets beschreibt.

Doch wenn ich abends zu viel fühle
Dann öffne ich ein Fenster dir.
Du ordnest das, was in mir wühlte
Für heiße Tränen bringst du Kühle
Hitze dann, wenn ich erfrier.

Leg' ich mich trüb zum schlafen nieder
Wartest du bereits auf mich.
Du summst durch Daunen weiche Lieder
Legst dich schwer auf meine Glieder
Bewachst im Schlafe mein Gesicht.

Die Worte, die du sprichst, sind Balsam
Auf zerkratzter, wunder Seele
Dein Herzschlag der mich weckt ist heilsam
In deinem Arm die Sorgen einsam
Die mich sonst im Traume quälen.

Mit dunklen Winden bist du Retter
Umarmst mich wie ein kleines Kind.
Erreicht mich dann dein warmer Äther
Wissen nur die Kilometer
Dass wir nicht beisammen sind.

Donnerstag, 23. April 2009

Schöpfung

Der Anfang kam ihm schleichend,
Als flüsternde Idee.
Doch das war nicht ausreichend,
Viel mehr musste gescheh'n.

Gedanken brauchen Form,
Damit sie standfest steh'n;
Verlassen traute Norm,
Um Neuland zu begeh'n.

Er muss sie sanft erspür'n,
So lockt er sie heraus.
Er muss sie langsam führ'n,
Sonst ist's vor'm Anfang aus.

Ein erster Schritt gesetzt,
Das Ziel noch nicht in Sicht
Die Lippen feucht benetzt,
Damit der Mund nun spricht.

Das erste Wort strömt aus,
Entflammt die Eisesluft
Zieht mehr Ideen hinaus,
Füllt auf die alte Kluft.

Ein neues Werk entsteht,
Vollendet ist sie nie
Die Welt, die nie vergeht.
Ein Anfang ohne Ziel.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Die Glut

Vorab 'ne Anmerkung: Könnte nich so ganz jugendfrei sein. Aber was anderes is mir momentan nich eingefallen ^^ Also wenn's irgendjemanden stören sollte, was da beschrieben wird, dann sagt's einfach *g*


Des leisen Flackerns dunkler Hauch
Fährt wohlig über feuchte Stirne,
Küsst den Flaum auf warmen Bauch
Und zeigt, der Andre will es auch.
Gespräche mit verborg'ner Stimme.

Geduldig wird mit Lust gespeist,
Was zitternd auf den Lippen glänzt,
Ein Schauer, der die Luft vereist,
Der suchend auf dem Nabel kreist
Und Wahn mit Vorstellung begrenzt.

Ein Sturm aus stummer Flammenflut
Ergießt sich wankend in den Leib,
Sie fordert ohnmächtig Tribut,
Verbrennt die Scham mit ihrer Glut
Und lässt zurück ein nacktes Weib.

Montag, 6. Oktober 2008

Einblick

Ein Gruß, ein Blick, ein sanfter Druck,
Ein warmer Kusseshauch.
Erwartung, Angst, ein kleiner Ruck,
Er weiß, sie spürt es auch.

Auf kalter Wange warme Hand
Ersehnt, erspürt, erfüllt,
Nur Vorsicht, langsam, fern vom Rand -
Er fängt sie, als sie fällt.

Erlosch'nes Licht, voll Zärtlichkeit,
Auf kussbedeckter Haut.
Ein Sinn, ein Traum: Unendlichkeit.
Kein Wort, kein Ton, kein Laut.

Ein Kuss, ein Blick, ein sanfter Satz,
Ein letzter Liebesschwur.
Ich hab' dich lieb, mein kleiner Schatz,
Bevor er wieder fuhr.


Anm.: Durch die letzte Zeile nicht gerade zum Thema "Befreiung" passend, aber ist mir eingefallen, als ich was dazu überlegt hab. Und ja, ich weiß, ich hab' lange nichts von mir hören lassen, aber ich versuch, weiter dranzubleiben :-)

Donnerstag, 18. September 2008

Eine Narbe

Ein relativ kurzes Gedicht, ich bin mal gespannt ob rauskommt, worum es sich handelt. Beim Thema "Geburt" allerdings nicht allzu schwer ^^ Was haltet ihr vom Titel? Bei dem Gedicht bin ich mir wirklich unsicher :-)


Eine Qual, die von jedem erlitten,
Eine Qual, die schon jeder ertrug,
Eine Qual, von so manchem bestritten,
Eine Qual, die so manchen erschlug.

Eine Wunde, begleitet von Schreien,
Eine Wunde, von keinem beklagt,
Eine Wunde ermöglicht Gedeihen,
Eine Wunde, bei der niemand fragt.

Eine Narbe, so sinnvoll vergeben,
Eine Narbe, die niemand mehr hasst.
Eine Narbe bezeugt unser Leben,
Eine Narbe, die niemals verblasst.

Mittwoch, 10. September 2008

Forschergeist

Durch lange Gläser blickst du stumm
Hinaus in weite Welt.
Du siehst sehr viel, was dir gefällt
Und schaust dich staunend um.

Ein Vogel hier, ein Bäumlein da,
Aus Frühling wird bald Herbst
Du fragst: Wer wohl die Blätter färbt?
Es wirkt so sonderbar.

Nach vielen Herbsten, die vergingen,
Wirkt manches langweilig.
Doch das, was dir damals heilig,
Willst du für dich erringen.

Anstatt auf Tiere, wie gewohnt,
Lenkst du nun deinen Blick
Zum Fenster nebenan, wo schick
Die Nachbarin drin wohnt.

Es bleibt doch immer, wie es ist:
Die Pubertät schlägt zu,
Und wandelt manchen braven Bub
In einen Voyeurist.

Dienstag, 9. September 2008

Altweibersommer

Es naht schon jetzt die Zeit der kalten Nächte
Obwohl die starke Sonn' die Erde wärmt
Und jeder sehnsüchtig von Stränden schwärmt
Von reifen, prallen, nie geschmeckten Früchten
Von Kindern, die in gold'ner Brandung tollen
Und Tagen, die nicht enden wollen.

Es klirrt schon bald der Morgendämm'rung Tau
Im Feld, das Tags vor Leben noch gestrotzt.
Es hat dem klammen Nebel lang getrotzt
Doch endet nun Naturae bunte Schau
Um altbekannten Fremden Platz zu schaffen
Die alles Leben an sich raffen.

Das Jahresende hat begonnen:
Altweibersommer ist gekommen.


Kein Gedicht zum aktuellen Thema, aber mir war so danach. Ich hoffe, es gefällt trotzdem ^^

Donnerstag, 4. September 2008

Träume

Von Anfang an schon kenn' ich dich,
Und geb' mich deinen Träumen hin.
Ich berg' auf deiner Brust mein Kinn,
Und streichel zärtlich dein Gesicht.

Du nimmst oft einfach meine Hände.
Du flüsterst Träume in mein Ohr,
Und ich komm mir so wichtig vor
Als wiegst du mich auf einer Sänfte.

So fern von mir steh'n alle Sorgen,
Ich sehe uns, du bleibst bei mir,
Träumst du auch weiter, fern von hier.
Ich weiß, du willst mein Herz nur borgen.

Wie ich mich dreh', wie ich mich wende,
Es gibt für uns kein gutes Ende.

Mittwoch, 27. August 2008

Erinnerung

So fremd klingt des Schlüsselbunds Klirren
Und tönt wie ein Glockenschlag hell
Um dunkelste Nacht zu verwirren.
Es ruft mich mein Gast zum Apell.

Erinnerung, Tochter des Teufels,
Du haust hier, als wär' es dein Schloss.
Du isst mit mir an meiner Tafel
Und tränkst nur mit Tränen dein Ross.

Dein Anblick, dein Wort lässt mich zehren,
Ruft Bilder hervor aus der Zeit
Die ich so verlangend begehre.
Du stürzt mich in Abhängigkeit.

Wie sollte ich ohne dich leben,
Erinnerung, Tochter vom Tod?
Was mehr kann ich dir denn noch geben
Als das, was ich dir bereits bot?

Dämonin, Vergangenheitswächter,
Dies Haus hier, es war einmal meins.
Du bist ein zu gieriger Pächter,
Erinnerung: Mörder des Seins.

Mittwoch, 20. August 2008

Rücksicht

Ihr schenkt mir euer Ohr
Wenn tausend Worte brennen.
Ihr kennt sie meist, bevor
ich selbst sie kann benennen.

Ihr schenkt mir eure Hand
Wenn meine Schritte zittern.
Ihr führt mich unerkannt
Vorbei an manchen Gittern.

Ihr schenkt mir euer Herz
Wenn mich die Welt nicht kennt
Es führt mich stets heimwärts
und ist doch das, was trennt.

Nur eure Liebe brauche ich,
Ich weiß, was euch gefällt.
Darum nun öffne ich mich nicht,
Spiel' euch die heile Welt.

Dienstag, 12. August 2008

Sehnsucht

Du träumst von Sehnsucht und von Glück
An sonnenhellen Tagen
Doch du bewegst dich nicht ein Stück
Um dich daran zu wagen.

Tief in dir drin herrscht stets der Drang
Mal durch die Welt zu ziehen
Stattdessen schaust du Talkshows an
Um vor dir selbst zu fliehen.

Dein Innerstes begehrt wild auf
Du fühlst es in dir sträuben
Du kennst Methoden schon zu Hauf
Um rasch es zu betäuben.

Dein Schweinehund, so nennst du ihn,
Lässt dich nicht richtig leben
Statt gegen ihn in Krieg zu zieh'n
Bleibst du doch lieber liegen.

So suchst du dir bequem heraus
Was dir dein Glück verdirbt
So geht es zu, Jahr ein, Jahr aus,
Bis deine Sehnsucht stirbt.

Donnerstag, 7. August 2008

Verkannte Gabe

Manch Tage und Nächte vergeh'n wie der Winter
Ich suche nicht mehr nach verlorenen Wegen
Die frostig und kalt meine Sicht mir behindern
Und wandle nur blind auf zerbrochenen Stegen.

Alltägliches ist es, was dunkel ich sehe
Normale Gestalten erschaff' daraus ich
Ich denk' drüber nach, bis ich dann verstehe
Die Träume in mir haben viel mehr Gewicht.

Nun schließlich erwecke, beschwöre auch ich,
Verzag' an den Bildern, doch gebe nicht auf
Ruf' Schatten aus Farben, das Dunkel ins Licht
So klein es auch ist, so viel nehm' ich in Kauf.

Ich suche die Menschen, ganz leise und still,
Bin vorsichtig, ausdauernd, stets nur charmant
Sie denken so anders, als ich es doch will,
Und sagen, ich hätte mich selber verkannt.

Wie groß ist es schon, was ich einst für sie spann?
Ich lebe doch immernoch nur vor mich hin,
Tu das, wovon jeder sagt, dass ich es kann
Und gebe so allen, nur mir keinen Sinn.